Epileptische Anfälle werden nach den betroffenen Hirnregionen und den spezifischen Merkmalen des Anfalls in verschiedene Typen eingeteilt. Die genaue Identifizierung des Anfallstyps ist entscheidend für die Behandlungsplanung des Patienten und die Auswahl des wirksamsten Antiepileptikums. Einige Patienten können mehr als einen Anfallstyp aufweisen. Epileptische Anfälle werden hauptsächlich wie folgt klassifiziert:

Einfacher partieller (fokaler) Anfall: Dieser Anfallstyp entsteht durch anormale elektrische Aktivität in einem begrenzten Bereich des Gehirns. Es tritt kein Bewusstseinsverlust auf, und die Person kann sich an das Anfallsereignis erinnern. Einfache partielle Anfälle können je nach betroffener Hirnregion unterschiedliche Symptome zeigen:
* Motorisch: Beeinflussung der Muskelbewegungen (z.B. Zucken, Krämpfe).
* Sensorisch: Beeinflussung der Sinne (z.B. olfaktorische, gustatorische, auditive oder visuelle Halluzinationen).
* Autonom: Beeinflussung automatischer Körperfunktionen (z.B. Herzklopfen, Schwitzen, Übelkeit).
* Psychologisch: Beeinflussung von Emotionen oder Gedanken (z.B. Angst, Déjà-vu).

Generalisierter Anfall: Diese Anfälle beginnen gleichzeitig in beiden Hirnhälften. Der bekannteste Typ ist der generalisierte tonisch-klonische Anfall. Während dieses Anfalls erleidet die Person einen plötzlichen Bewusstseinsverlust; die Körpermuskulatur versteift sich zunächst (tonische Phase), gefolgt von rhythmischen Kontraktionen und Entspannungen (klonische Phase). Im Volksmund auch als "Grand-Mal-Anfall" bekannt, ist dieser Zustand typischerweise durch einen Sturz und anschließende Verwirrung gekennzeichnet.

Komplexer partieller (fokaler Anfall mit beeinträchtigter Wahrnehmung) Anfall: Diese Anfälle beginnen ebenfalls in einer bestimmten Region des Gehirns, aber im Gegensatz zu einfachen partiellen Anfällen ist das Bewusstsein oder die Wahrnehmung teilweise oder vollständig beeinträchtigt. Die Person reagiert möglicherweise nicht auf ihre Umgebung, zeigt leere Blicke und kann sich nicht an die Anfallsepisode erinnern. Obwohl sie bei Personen mit einer Vorgeschichte von Kopftrauma, Hirntumor oder Schlaganfall häufiger vorkommen, können sie bei jedem auftreten. Während dieser Anfälle können unwillkürliche, automatische Verhaltensweisen (Automatismen) wie Lippenschmatzen, Schlucken, zwecklose Handbewegungen, Murmeln oder sich wiederholendes Sprechen beobachtet werden. Komplexe partielle Anfälle sind einer der häufigsten Anfallstypen bei Epilepsiepatienten.